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04. Juli 2020

Samstag, Juli 4, 2020

Xpra - Software zum Davonlaufen?

Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern ein Paket namens Xpra installiert zu haben. Vielleicht kam es mit irgend einer anderen Software, die ich kürzlich auf meinem X1 Carbon installiert hatte. Wie auch immer: Inzwischen weiß ich aber, dass dieses Teil dafür verantwortlich war, warum mein Login Screen nicht mehr richtig funktionierte, wenn ich den Deckel vom Laptop wieder aufklappte.
Gestern hatten wir unseren inzwischen wöchentlichen Onlinetreff bei Jitsi-meet und Michael war scheinbar ganz heiß darauf dieses Xpra bei sich auszuprobieren, weil er ja noch immer eine Lösung sucht, um mit Lydia gemeinsam auf ihrem Desktop so Sachen wie KDEnlive zu bedienen. Aber zurück zum Thema. Ralf war jedenfalls wieder mal sehr engagiert und hat sich sofort ans Werk gemacht. Xpra installiert, Raspi angeschmissen, Server konfiguriert, was man halt so machen muss, damit das Arbeiten vom heimischen Rechner auf einem entfernten System eben funktionieren soll. Dabei haben wir immer wieder eindrucksvoll beobachten können, wie er einen Rückschlag nach dem anderen geschluckt hat. Aber wir konnten auch hilfreich sein, haben Fehler aufgedeckt, Alternativen diskutiert und Hinweise gegeben. Irgendwann war er an dem Punkt, dass das Programm bei ihm scheinbar keinen Mucks mehr tat und er es kurzerhand mit

 sudo apt-get purge xpra

wieder entfernt hat.

Aber das dicke Ende kam im Anschluss, denn der Reboot geriet zum Fiasko. Er landete ohne grafische Benutzeroberfläche im Rettungsmodus. Von dort musste er dann wieder alle Xwindow- und Xorg-Pakete neu installieren, neustarten und dann war alles wieder gut.

Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich hatte mich ja bereits bei Ask.Fedora.com angemeldet und selber einen Beitrag gepostet. Die Lösung hab ich aber selber gefunden, nachdem wir gestern Abend die Erfahrungen im Jitsi-Meeting gemacht haben und ich mir nicht mehr sicher war, wie dieses Xpra überhaupt auf mein System gekommen ist. Also hab ich das einfach mal wieder deinstalliert und siehe da: Es ist wie es sein soll.

Inzwischen habe ich eine Mail an die LUG geschickt mit der Warnung vor Xpra und eine Mail an die Mailingliste der Entwickler von Xpra und auch prompt Antwort erhalten. Demnach soll Ubuntu dran schuld sein und man solle doch bitte nicht die Pakete aus den distroeigenen Repositories benutzen, sondern das Paket direkt von der Projektseite herunterladen und installieren. Linux Mint wird zwar nicht explizit unterstützt, Xpra solle aber laut Entwickler auch dort laufen.

Außerdem sollen im Falle von Fedora Grafiktreiber von Intel fehlerhaft sein und man solle doch mal ohne OpenGL starten.

OpenSuse wird gar nicht unterstützt. Trotzdem sind die Pakete in deren Repos wohl vorhanden, sonst hätten die beiden anderen aus unserer Gruppe das ja nicht aus ihrem System heraus installieren können.

Insgesamt finde ich das alles recht spannend. Auch wenn ich noch nie wirklich Interesse daran hatte dieses Tool zu benutzen.

Inzwischen kann Xpra aber weitestgehend entlastet werden. Wie ich bei meinen Recherchen festgestellt habe, habe ich einige Codecs installiert, die das Problem mit Xpra überhaupt erst auf den Plan gerufen haben:

Transaktions-ID : 17
Anfangszeit : Mo 22 Jun 2020 17:14:52 CEST
Anfang rpmdb    : 2185:67078f29d4d6e4083d1bd1bb9612d378876fcdb6
Endzeit : Mo 22 Jun 2020 17:15:05 CEST (13 Sekunden)
Ende rpmdb      : 2197:6369cf712dd600ce5845ec0826814c9106662138 **
Benutzer : Uwe Stippekohl <stippi>
Rückgabe-Code    : Erfolg
Releasever: 32
Befehlszeile   : install xpra-codecs-freeworld PackageKit-gstreamer-plugin
Kommentar        : 
Veränderte Pakete:
    Installieren opencv-4.2.0-7.fc32.x86_64                   @updates
    Installieren python3-opencv-4.2.0-7.fc32.x86_64           @updates
    Installieren xpra-4.0.2-1.fc32.x86_64                     @updates
    Installieren python3-ldap3-2.6.1-3.fc32.noarch            @fedora
    Installieren python3-lz4-3.0.2-2.fc32.x86_64              @fedora
    Installieren python3-netifaces-0.10.6-10.fc32.x86_64      @fedora
    Installieren python3-pyasn1-0.4.8-1.fc32.noarch           @fedora
    Installieren python3-pyopengl-3.1.5-2.fc32.x86_64         @fedora
    Installieren python3-rencode-1.0.6-9.fc32.x86_64          @fedora
    Installieren xorg-x11-drv-dummy-0.3.7-11.fc32.x86_64      @fedora
    Installieren xpra-codecs-freeworld-4.0.2-1.fc32.x86_64    @rpmfusion-free-updates
    Installieren gstreamer1-plugins-ugly-1.16.2-3.fc32.x86_64 @rpmfusion-free

Das ist aus der dnf history und zeigt eindrücklich, dass es sich hier um eine Abhängigkeit handelt, die sich automatisch aufgelöst hat und weil man das xpra-codecs-freeworld Paket nicht sinnfrei ohne Xpra installieren kann, kommt Xpra einfach mal mit. Warum aber das codecs-Paket erforderlich gewesen sein soll, kann ich nicht mehr nachvollziehen. Wahrscheinlich aber ist ein anderes Paket oder Programm, das nicht korrekt lief und das ich versucht habe zu fixen ursächlich hierfür. Kann mit vlc oder YouTube-Videos zusammenhängen, die nicht liefen.